Was ist die richtige Weltanschauung?

Ein Essay zum Agnostizisums und vielem mehr 

Zwischen Erde und Mars kreist eine Teekanne um die Sonne, die viel zu klein ist, um von unseren Teleskopen entdeckt zu werden.

Glaubt ihr mir?
Genau diese Frage hat sich auch der 1872-geborene Bertrand Russell gestellt, als er sich mit der möglichen Existenz Gottes beschäftigte. Er wollte damit darstellen, dass Menschen, die eine Behauptung aufstellen auch die sein sollten, die sie beweisen. Es ist nicht die Aufgabe der Anderen diese zu Widerlegen. 1958 bekannte er sich dann mehr oder weniger zum Agnostizismus.

Doch was hat das miteinander zu tun und was bedeutet Agnostizismus überhaupt?
Agnostizismus ist eine Weltanschauung, die sowohl übernatürliches und Gottheiten für möglich hält als auch die Nicht-Existenz beider.
Russell hielt einen christlichen Gott für genauso unwahrscheinlich, wie eine Porzellanteekanne zwischen Erde und Mars. Und es konnte ihm nie das Gegenteil bewiesen werden!
Heutzutage würde man diesen Skeptiker wohl eher als Agnostizistischen Atheisten bezeichnen, da ihm die Möglichkeit eines Gottes sehr gering vorkam, nahezu unmöglich. Aber eben nur nahezu!
Im Agnostizismus wird von der „Begrenztheit des Menschlichen Wissens, Verstehens und Begreifens“ ausgegangen, wie es im Wikipedia-Artikel zu diesem Thema geschrieben steht. Die Wissenschaft kann eben nicht alles erklären. Doch wie ein Vertreter dieser Weltanschauung in einem Interview mit einem Muslim erklärt, ist es Agnostikern oft „zu kurzsichtig“ die Wissenslücken einfach mit Religion zu füllen. Es gibt noch so viel anderes zwischen Himmel und Erde! Agnostizismus hat also ebenfalls viel mit Naturverbundenheit zu tun: man erwägt alles als möglich und beschließt schlussendlich, dass es doch egal ist, was genau die Antwort ist. Klingt das nicht friedlich?
Mir kommt die richtige Dosis Agnostizismus sehr erfüllend vor: Keine verzweifelte Suche nach Antworten und dennoch die Freiheit grenzenlos zu denken, so viel man will. Nichts muss ausgeschlossen werden.
Das Leben besteht nur aus eindeutigen Entscheidungen; ein „Vielleicht“ gibt es normalerweise nicht. Doch möglicherweise sollte man es einfach mal auf einem „Vielleicht“ beruhen lassen!? Dennoch gibt es Menschen, die auch beim Thema Weltanschauung und Glaube mit einem einfachen „Ja!“ antworten können.  Wie der Monotheist in besagtem Interview erklärt, liegt der Beweis Gottes nicht „irgendwo da draußen, sondern in einem drinnen.“ Doch dieser eindeutige Beweis ist wohl nicht bei jedem so erkennbar. Warum glauben Atheisten an keine göttliche Macht? Warum wollen sich Agnostiker nicht festlegen? Glaube ist eben nicht pauschal vorzuschreiben. Aus diesem Grund gefällt mir die Ansicht des offenen Agnostizismus so sehr. Durch die Einstellung nichts ausschließen zu können, toleriert man die Idee jeglicher Religionen. Es ist ja nichts unmöglich! Was allerdings den offenen vom starken bzw. geschlossenen Agnostizismus unterscheidet, ist das Individuelle, welches den eigenen Glauben von dem der anderen abgrenzt. Der offene Agnostizismus bezieht sich ausschließlich auf das eigene Nicht-Wissen, auf den eigenen Wunsch sich nicht festlegen zu müssen, und überträgt nicht auf die weitere gesamte Menschheit, dass die göttliche Existenz unbekannt sei.

Jeder Mensch wird mit Glauben geboren, beschreibt der Theist im oben genannten Interview. Im ersten Moment scheint dies ausschließlich religiös, doch ich finde es eine wunderschöne Vorstellung, dass jeder Mensch mit Zuversicht und Glauben an das Leben auf die Welt kommt. Ohne diesen Glauben würden Babys nach der Geburt sicherlich nicht anfangen zu schreien und wir wiederrum würden nur noch schreiend durch den Alltag laufen. Der wichtigste Glaube ist Zuversicht und wie genau dieser Verpackt ist, ist doch nebensächlich.

Glauben wir zusammen an die Existenz der Teekanne im All? Ich wüsste nicht, was dagegen spricht …

 

 

 

 

Hier geht’s zum beschriebenen Interview:
🔵 Muslim und Agnostiker über den Sinn der Existenz | Dialog #41 - YouTube
 

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