Erfahrungsbericht DELF

Dieses Jahr im April absolvierte ich meine zweite Delf-Prüfung. Nun werden sich sicherlich viele Fragen: ‚Was ist Delf?‘ Delf steht für ‚diplôme d'etudes en langue française‘ und ist sowohl für Schüler, als auch für Erwachsene geeignet, die zeigen wollen, dass sie Französisch sprechen können und natürlich auch wollen.

Für die verschiedenen Altersgruppen gibt es natürlich auch unterschiedliche Schwierigkeitsstufen, jedoch kann jeder frei entscheiden, welches Niveau er gerne absolvieren möchte. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das Niveau A1 in etwa für Schüler der Jg. 9 geeignet ist und man in der Jg. 10 die Prüfung A2 leicht bestehen kann. Letztes Jahr (Jg. 10) erhielt ich mein Diplom der Stufe A2 und dieses Jahr in der Jg. 11 habe ich meine zweite Prüfung des Niveaus B1 absolviert und hoffentlich auch bestanden.

Die Prüfungen selbst sind in vier Aufgabenbereiche eingeteilt: Compréhension de l'oral (Hörverständnis), Compréhension des écrits (Leseverständnis), Production écrite (schriftlicher Ausdruck) und Production orale (mündlicher Ausdruck).

Die ‚production orale‘ findet in Mainz und vor den anderen drei Prüfungen statt und wird von den meisten Schülern gefürchtet, da sie in einer fremden Umgebung auf sich alleine angewiesen sind. Die Prüfungen laufen alle sehr ähnlich ab, jedoch schildere ich hier meine Erfahrungen des Niveaus B1.

Die Schüler ziehen zwei Themen, die sich meist auf das alltägliche Leben beziehen, auf Probleme, auf die Schule oder auf Freunde, auf jeden Fall ist man vokabeltechnisch darauf vorbereitet und man wird nicht mit der Wirtschaftskrise konfrontiert.

Zu allererst sucht man sich eines der beiden Themen aus, leider sind die kleinen Texte nicht leicht zu verstehen, jedoch kann man unbekannte Wörter erschließen. Nun hat man 10 Minuten Zeit um seine Gedanken zu ordnen und sich kurze Notizen zu machen. Da man wirklich sehr aufgeregt ist, kann sich diese erforderliche Konzentration als echte Herausforderung darstellen, jedoch ist die Aufregung gar nicht nötig.

Sind die 10 Minuten vorbei, wird man einer Jury zugeteilt, die aus ein oder zwei Personen besteht und natürlich schon sehnsüchtig auf den Prüfling warten. Ich wurde herzlich von zwei Damen begrüßt und durfte mich ihnen gegenüber an einen Tisch setzen.

Diese Prüfer wissen, dass ihr angespannt und aufgeregt seid und erwarten nicht, dass ihr in einem solchen Zustand noch perfektes Französisch sprecht, weshalb es mir sehr half, als meine Jury mich beruhigte und sagte, dass das schon alles klappen würde.

Man wird aufgefordert sich kurz vorzustellen; diese Aufgabe dauert ca. 3 bis 4 Minuten und man erzählt über die Familie, über Haustiere, über den Berufswunsch und die Lieblings- bzw. Hassfächer in der Schule. Manchmal fragen die Prüfer nach, weil sie etwas interessiert oder weil sie etwas nicht verstanden haben, lasst euch davon nicht aus der Ruhe bringen, sie ziehen euch keine Punkte ab, nur weil sie etwas nicht verstanden haben.

Auch wenn ihr etwas nicht versteht, fragt einfach höflich, ob der Prüfer das Gesagte noch einmal wiederholen könne, meistens reichen ein fragender Blick und ein „Pardon?“.

Nach der Vorstellung zieht man ein weiteres kurzes Thema, nun soll man mit einem der Prüfer einen Dialog führen. Diese Dialoge sind meistens eher lustig, jedoch muss man auch mit Mimik und Gestik arbeiten, so musste ich mich zum Beispiel bei einer guten Freundin dafür entschuldigen, dass ich ihren Geburtstag vergessen hatte. Natürlich war ich überrascht, als meine Prüferin mich anmotzte und meinte, dass sie mir so etwas nie verzeihen könne, aber als ich sagte, ich würde ihr einen Kuchen backen als Entschuldigung, war der Dialog beendet und meine ‚beleidigte Freundin‘ wieder glücklich.

Jetzt war der schwierigste Teil der Prüfung dran: euer vorbereitetes Thema. Die Prüfer lesen euch den kurzen Text noch einmal vor und ich wurde gefragt, ob ich kurz zusammenfassen könnte, um was es geht. In meinem Fall musste ich über alternative Transportmittel reden, mit einem speziellen Beispiel, einem Springstab, mit dem man 2 Meter hohe Sprünge machen kann. Ich sollte erklären, was es für Alternativen gibt und welche ich hiervon zu gefährlich für Fußgänger halte und auch ob dieser Springstab eine Bedrohung für das Verkehrsleben darstellt.

Ich muss zugeben, dass mir diese Aufgabe nicht leicht fiel, da mir auf einmal nichts mehr einfiel, was ich vorbereitet hatte und stotternd vor meinen Prüferinnen saß. Diese merkten mein kleines Blackout natürlich sofort und redeten beruhigend auf mich ein und verrieten mir, dass ich das bis zu diesem Zeitpunkt wirklich schon sehr gut gemacht hätte.

Nach 5 Minuten Monolog mit kleinen Aussetzern war ich dann fertig, die beiden Damen verabschiedeten sich freundlich und ich konnte erleichtert nach Hause gehen. Insgesamt dauert diese Prüfung mit Vorbereitungszeit höchstens 25 Minuten, ist also wirklich schnell vorbei.

Zu den mündlichen Prüfungen kann ich abschließend nur eins sagen: ruhig bleiben! Die Jurys sind meistens wirklich sehr freundlich und helfen gerne, wenn man mal eine Vokabel nicht weiß oder in einem Satz hängen bleibt.

Einen Tag darauf hatten wir dann die restlichen drei Prüfungen, die in unserer Schule stattfanden. Bei diesen ist man glücklicherweise nicht alleine in einem Raum, sondern mit Mitschülern und einem vertrauten Lehrer. Man hört sich drei Texte an und muss zu diesen Fragen beantworten und richtige Antworten ankreuzen. Die Texte sind relativ leicht verständlich, und wenn man sich richtig konzentriert sind sie auch bei Niveau B1 zu schaffen.

Nach einer kurzen Pause, in der man verstohlene Blicke mit den Mitschülern austauscht J , darf man zur nächsten Aufgabe übergehen. Man liest Texte und muss hierzu Fragen beantworten und zeigen, dass man die Texte verstanden hat. Diese Texte sind z.B. Briefe, E-Mails, Verkehrsschilder, Zeitungsartikel o.ä.

Im dritten und letzten Teil muss man nun selbst einen Text schreiben. In unserem Fall sollten wir einen Brief an ein unbekanntes Mädchen schreiben, das gerne einen Schüleraustausch machen würde, dies allerdings von ihren Eltern untersagt wird. Wir mussten Erfahrungen schildern, Tipps geben und ihr Glück wünschen, natürlich sollte man hierfür die Form für einen freundschaftlichen Brief kennen, wie z.B. Begrüßung und Abschied.

Für alle drei Aufgaben hat man in etwa 90 Minuten Zeit, was wirklich ausreicht, vor allem, da man nur eine gewisse Anzahl an Wörtern schreiben darf, sonst gibt's Punktabzug.

Man hat alle Prüfungen hinter sich und das Diplom kann kommen!

Insgesamt kann man 100 Punkte erreichen, pro Aufgabenbereich 25, jedoch muss man insgesamt 50 Punkte haben, um zu bestehen und pro Aufgabenbereich mindestens 5.

Also wenn das Mündliche nicht gut lief, braucht ihr dort nur mindestens 5 Punkte zu bekommen, wenn ihr dafür bei den anderen Aufgabenbereichen mehr erreicht.

Um ein abschließendes Fazit zu ziehen: Wenn ihr diese Möglichkeit bekommt, nehmt sie wahr! Mehr als durchfallen geht nicht und selbst wenn dies passiert, ist das noch lange kein Weltuntergang. Zur Vorbereitung könnt ihr euch von Klett die Übungshefte holen, in denen es fertige Prüfungsaufgaben gibt, es hilft wirklich.

Natürlich ist so ein Diplom mit Arbeit verbunden, aber das zahlt sich dann aus, wenn ihr später in eurem Lebenslauf angebt, dass ihr Französisch sprecht und das sogar mit Diplom.

Alors, tout est bien qui finit bien!

Laura Pittel, Jgst.11, 19. Mai 2009

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