Nachruf für Jens Blanke

 

 

Unsere Schule nimmt Abschied von Jens Blanke.

 

Wir verlieren einen Menschen, der seine Aufgabe als Lehrer in seinen Schülern suchte und fand, - und im gemeinsamen Musizieren mit ihnen. Dieser Aufgabe, die Entwicklung der ihm anvertrauten Schülerinnen und Schülern im musikalischen Bereich zu fördern und zu begleiten, widmete er sich intensiv und aus vollem Herzen. Er tat dies in seiner schnörkellosen und unprätentiösen Art, die es ihm ermöglichte, stets einen direkten und kameradschaftlich-freundschaftlichen Kontakt zu seinen Schülern herzustellen ohne seine positive Autorität zu gefährden. Dabei vermittelte er seinen Schülern in besonderer Weise das Gefühl ganzheitlich in ihrem Wesen angenommen zu sein und würdigte stets aus innerer Zuneigung ihre Lern- und Entwicklungsfortschritte.

Da war auch der Biologielehrer, aber erlebt haben wir ihn eher als intensiv arbeitenden Musikpädagogen. Seine naturwissenschaftliche Komponente zeigte sich in seinem klaren analytischen Blick auf die Potenziale und die Grenzen des Einzelnen aber auch in seinem Talent, gemeinsam Dinge auf die Beine zu stellen und zu organisieren. Dabei lieferte er selbst stets als Vorbild und Orientierungspunkt seinen persönlichen Beitrag. Er verstand sich in seinem Wirken für die Gemeinschaft nicht als anonymer Lernarrangeur, der das Lernen managt, sondern war sich der Bedeutung der Lehrerpersönlichkeit stets bewusst. Er war nicht nur Teilnehmer des schulischen Lebens, er war immer mitten drin ohne sich in den Vordergrund zu spielen. War es die Organisation und Leitung der Aulatechnik-AG oder das Tonstudio, die Concert-Band oder die Organisation des musikalischen Lebens in unserer Schule, sein Fehlen in der Schule zeigte uns, wie groß die Löcher waren, die sich auftaten. Jens Blanke hat nie die unzähligen Stunden gezählt, die er in der Schule über sein Stundensoll hinaus gewirkt hat. Nie hatte ich den Eindruck, dass er Schule als eine Belastung empfunden hat. Ihm lag nie das kräftezehrende Gehadere über die Masse der unterschiedlichsten Verpflichtungen und Aufgaben im Lehrerberuf. Sie mussten getan werden und oft tat er sie eben.

Mit Überzeugung kämpfte er für die Musik und die Musikfachschaft. Er war maßgeblich daran beteiligt, zum richtigen Zeitpunkt den Impuls zu geben, einen Leistungskurs zusammen mit der Gutenbergschule einzurichten oder für die Big-Band in Herrn Schlöder einen kompetenten Spezialisten zu gewinnen. Immer galt sein Einsatz den Interessen seiner Schüler und der Musik an unserer Schule. Es war ihm wichtig, ein positives Bild zu vermitteln. Die Darstellung übermäßiger Beschäftigung mit Negativem oder Belastendem lag ihm nicht. Wie er mir einmal erzählte, gelang es ihm auch in der Zeit, in der er seine schwerkranke erste Fau betreute, das Umswitchen von der zehrenden Betreuungsarbeit am Krankenbett zur Vermittlung einer positiven Lebenshaltung während der Arbeit mit den Schülern. War das seine Art der Bewältigung dieser schwierigen Situation oder der Kompensation oder war es auch das Funktionieren-Wollen? Wir trafen uns nach der ersten Phase seiner Krankheit zu einem Gespräch in einem Café zur erneuten Kontaktaufnahme. Es ging ihm bereits wesentlich besser, war aber noch deutlich von den Folgen der medizinischen Behandlung gezeichnet. Er dankte für die Post aus der Schule, sagte aber auch, dass er während der Behandlungsphase keine Besuche im Krankenhaus gewollt hatte, wollte sich offenbar in seinem Zustand nicht anderen „zumuten“. Eine etwas eigene aber mir nicht ganz fremde Haltung zum eigenen Leben.

Die Mitteilung des Rückschlags traf uns in der Schule schwer. Auch wenn damit zu rechnen war, hatten wir doch nicht damit gerechnet, spürten wir doch gerade erneut seine Lebensfreude und seine Zuversicht nach seinem Wiedereinstieg, waren selbst noch von so viel positiver Hoffnung erfüllt. Es sollte nicht sein. Die Schwere seiner Erkrankung hat es nicht zugelassen, dass wir gemeinsam weiter auf unserem pädagogischen Weg vorangehen. Wir wollen sehen, dass jeder ein Stück von seinem Umgang mit unseren Schülern mitnimmt und so seinen pädagogischen Ansatz mit in das eigene Konzept integriert.

Die Schule nimmt Abschied von Jens Blanke und dankt einem hoch engagierten Pädagogen in seinem so positiven Wirken an unserer Schule, der uns viel zu früh verlassen hat. Unsere Gedanken sind bei ihm aber auch in besonderem Maße bei seiner Familie.

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