Ehemalige Dilthey-Schüler zurück am GMB
Wie sah das Gymnasium am Mosbacher Berg vor über 60 Jahren aus? Welche Erinnerungen verbinden ehemalige Schüler mit dem Gebäude, in dem heute unsere Schülerinnen und Schüler lernen? Im Juni 2026 kehrten sechs ehemalige Schüler der Wiesbadener Diltheyschule an ihre frühere Schule zurück. Anlass war ihr 55-jähriges Abiturjubiläum. Dabei gab es viel zu erzählen – von einer damals hochmodernen Schularchitektur, einem nicht ganz freiwilligen Umzug und einem Abiturabschluss, der auf ungewöhnliche Weise in Erinnerung geblieben ist.
Die ehemaligen Schüler, geboren zwischen 1951 und 1953, hatten ihre Gymnasialzeit 1962 bzw. 1963 begonnen. Damals war das heutige Gymnasium am Mosbacher Berg noch die Diltheyschule. Das Gebäude war erst 1962 fertiggestellt worden und galt als ausgesprochen modern. Zuvor war die Diltheyschule in älteren Villengebäuden in der Alexandrastraße untergebracht gewesen.
Thomas Brasser, einer der ehemaligen Abiturienten, erinnert sich noch lebhaft an den damaligen Neubau: „Das war damals eine ganz wundervolle Architektur“. Besonders beeindruckt hatten ihn die großzügige Gestaltung, die drei Treppenhäuser, die von zwei Seiten belichteten Klassenräume und der weitläufige Schulhof. Das Gebäude unterschied sich deutlich von den traditionellen Schulbauten jener Zeit. Was uns heute als älterer Teil unseres Gymnasiums vertraut ist, war damals eine architektonische Besonderheit.
Doch bereits 1969 stand für die Diltheyschule ein erneuter Umzug an: Sie wechselte in den Neubau an der Georg-August-Straße im Westend. Dass dies einmal geschehen würde, war zu Beginn der Schulzeit keineswegs absehbar. „Der Umzug 1969 - nun, davon war 1962 keine Rede“, berichtet Brasser.
Begeisterung löste der neue Standort offenbar nicht bei allen aus. Die Architektur empfanden manche Schüler eher als Rückschritt: Statt heller, von mehreren Seiten zugänglicher Klassenräume gab es nun wieder die klassische Aufteilung mit Fluren auf der einen und Unterrichtsräumen auf der anderen Seite. Auch die Verkehrsanbindung war für viele Fahrschüler, die unter anderem wegen des altsprachlichen Angebots aus dem Umland kamen, ungünstiger. Immerhin hatte das neue Gebäude schnell einen Spitznamen: „U-Boot“.
Für Thomas Brasser persönlich verkürzte sich durch den Umzug allerdings der Schulweg. Von Klarenthal aus ging es nun mit dem Fahrrad „durch die Gärten, mit dem Fahrrad ruck-zuck“. Trotzdem fiel der Abschied vom vertrauten Gebäude nicht leicht: „Der Rückblick auf das "alte" Schulgebäude (GMB) hatte schon eine kleine Träne im Auge“, erinnert er sich heute.
Zwei Jahre später, im Juni 1971, legte der Jahrgang sein Abitur ab – als einer der letzten noch im traditionellen Klassenverband, bevor sich das Kurssystem in der gymnasialen Oberstufe durchsetzte. Die Abschlussfeierlichkeiten verliefen allerdings anders als heute üblich. Genauer gesagt: Sie fielen vollständig aus.
In ihrer Freude über die bestandenen Prüfungen hatten die frischgebackenen Abiturienten einige Sachbeschädigungen im Klassenzimmer verursacht. Die Schulleitung reagierte konsequent: Es gab weder eine Abschlussfeier noch eine feierliche Zeugnisübergabe. Stattdessen musste jeder sein Abiturzeugnis einzeln im Sekretariat abholen und einen Beitrag zur Beseitigung der Schäden bezahlen. Brasser blickt darauf heute mit einem Augenzwinkern zurück: „Wahrlich keine Ruhmestat, aber dennoch eine Erinnerung mit Alleinstellungs-Merkmal“.
Trotz dieses etwas ungewöhnlichen Abschlusses blieb die Verbindung unter den ehemaligen Klassenkameraden bestehen. Erstmals traf man sich 1991 zum 20-jährigen Abiturjubiläum wieder, danach alle zehn Jahre. Seit 2021 finden die Treffen im Fünfjahresrhythmus statt, denn inzwischen sind bereits zahlreiche ehemalige Mitschüler verstorben. Beim diesjährigen Jubiläum kamen sechs von ihnen zum Schulbesuch, am Abend waren es insgesamt acht. Ein fester Bestandteil der Wiedersehen ist übrigens der Nürnberger Hof in Wiesbaden-Frauenstein.
Der Rundgang über das Gelände des heutigen GMB weckte viele Erinnerungen, machte aber auch deutlich, wie sehr sich die Schule verändert hat. „Sehr eindrucksvoll, was sich in der langen Zeit verändert hat - oder auch gleich geblieben ist“, schrieb Brasser im Anschluss. Zugleich bedauert er, dass von der einst großzügigen Gestaltung des Schulgeländes durch die inzwischen dichtere Bebauung einiges verloren gegangen sei – „verständlich und trotzdem schade“.
Eine zufällige Begegnung auf dem Schulhof mit Lea Schäfer, einer ehemaligen Schülerin des GMB, brachte schließlich die Idee hervor, die Erinnerungen und Fotos des Jubiläumstreffens mit der Schulgemeinschaft zu teilen.
So wurde aus einem Wiedersehen nach 55 Jahren auch eine kleine Reise durch die Geschichte unserer Schule. Und vielleicht betrachten wir die vertrauten Flure, Treppenhäuser und Klassenräume nun mit etwas anderen Augen: als Orte, an denen schon vor mehr als sechs Jahrzehnten Schüler lernten, Freundschaften schlossen und Erinnerungen sammelten, die sie bis heute begleiten.
Ein herzliches Dankeschön an Thomas Brasser und seine ehemaligen Mitschüler für die persönlichen Einblicke in ein Stück Wiesbadener Schulgeschichte.
- Geschrieben von:
- Rüdiger Jarzina
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- Alumni-Berichte