"It has never been a question of hate“

Vortrag eines Zeitzeugen zur Apartheid in Südafrika

Vortrag Südafrika 2018Am 29.01.2018 besuchte Herr Georg Kollenda auf Einladung von Frau Oschwald den Q3 Leistungskurs Englisch. Unter der Leitung von Frau Nicolay stellte er sich den Fragen der Leistungskursschüler zur Zeit in Südafrika, um so das Halbjahr „The Dynamics of Change – South Africa“ durch einen Zeitzeugenbericht abzuschließen. Herr Kollenda berichtete zunächst von seiner Ankunft in Südafrika im Jahr 1977. Schnell kam er aber auch zur Beschreibung des alltäglichen Lebens zu Zeiten der Apartheid.

So beschreibt er selbst die erste demokratische Wahl im Land als eine „magische Zeit voller Aufbruchstimmung“. Gleichzeitig sah er sich auf der anderen Seite jedoch auch Korruption ausgesetzt und wehrte sich gegen die Bedrohung in Zeiten der stark angestiegenen Kriminalitätsrate.


Selbst als er überfallen und mit einer Waffe bedroht wurde, hat sich seine liberale Einstellung gegenüber Menschen anderer Hautfarbe nicht geändert: „Seit meinem ersten Tag in Südafrika habe ich Schwarze und Weiße gleich behandelt. Das hat mir viele Schwierigkeiten eingebracht. Aber für mich und die meisten Menschen meiner Generation war es nie eine Frage des Hasses, sondern höchstens der Unsicherheit, angetrieben durch falsche Politik und ein falsches Religionsverständnis.“ So knüpft er immer wieder an das im Unterricht bereits erworbene Wissen der SchülerInnen zu historischen, politischen und wirtschaftlichen Hintergründen der Apartheid an und führt dies durch sein persönliches Urteil weiter.

Er kam nach Südafrika als Mitarbeiter einer international agierenden Maschinenbaufirma. Was zunächst für etwa ein Jahr geplant war, stellte sich nach über 30Jahren als „beste Zeit des Lebens“ heraus. Er hätte früher gehen können, doch „irgendwann musst Du Dich entscheiden. Willst Du gehen und das Land sich selbst überlassen oder willst Du bleiben und Deinen Teil dazu beitragen, das Land in die Zukunft zu führen“. Spätestens bei diesem Satz wurde jedem Zuhörer klar, dass dies für ihn nicht nur ein „Job“ war. Zunächst unter dem Druck des Apartheitsregimes illegal, später jedoch durch Regierungskreise anerkannt, gründete er zusammen mit anderen MItarbeitern eine Berufsschule, um insbesondere Nichtweißen das Lernen eines kaufmännischen Berufs zu ermöglichen und somit Korruption und Kriminalität langfristig vorzubeugen.

Wir danken Herrn Kollenda sehr für dieses Gespräch, das durch Authentizität und Persönlichkeit leistet, was kein Lehrbuch leisten kann.

Danke auch an Frau Oschwald, die diesen Kontakt erst ermöglicht hat.

 

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