"Fundstück Neufundland"

Fünf Monate in Kanada

Der Flug

Am 11.09.2021 startete mein Auslandsjahr in Kanada. Zuvor hatte ich mich schon von Freunden auf einer Abschiedsfeier verabschiedet, welche ich zusammen mit einer Freundin veranstaltete, die ebenfalls für eine Zeit im Ausland sein würde. Mein Flug startete früh morgens am Flughafen in Frankfurt und ging weiter nach Toronto. Von dort aus musste ich noch etwa 4 Stunden nach Neufundland fliegen. Das ist die Provinz in der ich die nächsten 5 Monate blieb. Der Flughafen St. John’s, auf welchem ich landete war etwa 1 weitere Stunde von meiner kleinen Stadt Carbonear  entfernt, die später mein zweites Zuhause wurde.

 

Meine Gastfamilie

Als ich am Flughafen in St. John’s ankam, stand meine Gastfamilie schon am Ausgang mit einem Plakat in der Hand, auf dem „ Welcome to the Smith family stand“.  Ich kam direkt auf sie zu und sie umarmten mich herzlich. Ich wusste bereits vor der Ankunft wer meine Gastfamilie sein würde. Ich habe von meiner Organisation die Informationen etwa sechs Wochen vor dem Abflug zugeschickt bekommen. Man konnte dann also auch schon sofort zu ihr Kontakt aufnehmen. Ich habe viel mit ihnen geschrieben und Bilder hin und her geschickt. Als ich sie dann also das erste mal gesehen habe, waren sie mir nicht mehr so fremd. Auch vom ersten Moment an haben sie sofort angefangen sich zu unterhalten und im Auto meinte meine Gastmutter dann, dass die Familie jetzt komplett sei.

Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmutter, meinem Gastvater, meiner kleinen Gastschwester (6 Jahre alt) und meiner anderen Gastschwester (17 Jahre alt), die ebenfalls dort ihr Auslandsjahr immer noch macht. Sie kommt aus Italien und wir haben uns vom ersten Moment an super verstanden. Ich werde auch dieses Jahr einen Teil meiner Sommerferien bei ihr verbringen :).

 

Meine Gastfamilie lebt in einem Haus, in dem jeder sein eigenes Zimmer hatte. Wir hatten zwei Katzen und haben im Laufe der 5 Monate noch einen kleinen Huskywelpen hinzubekommen. An Feiertagen waren wir oft bei der Familie und haben Zeit miteinander verbracht.

 

Carbonear

Carbonear ist eine sehr kleine Stadt mit etwa 5000 Einwohnern. Sie ist umgeben von Natur und liegt direkt am Meer. Ich musste auch nur etwa 10 Minuten gehen, um am Strand zu sein. Die Hauptstadt von der Provinz Neufundland und Labrador, ist St. John’s und ist über den Highway mit etwa 1 Stunde Fahrt gut zu erreichen. Die bekanntesten Tiere dort sind Elche. Ich habe leider keinen gesehen aber dafür viele Bilder.

In Carbonear und anderen kleineren Städten gibt es keinen öffentlichen Nahverkehr. Man musste also viel laufen oder von den Gasteltern gefahren werden.

Das Wetter dort ist sehr frisch und im Winter hatten wir einmal -15 Grad Celcius, was im Gegensatz zu anderen Gebieten Kanadas noch relativ „warm“ ist. Den ersten Schnee hatten wir im November. Zu den letzten Jahren war es aber vergleichsweise wenig Schnee, was auch an dem Klimawandel liegt. 2020 gab es einen sogenannten „Snowmageddon“. Dieser war ein Schneesturm, der die Stadt für ungefähr 10 Tage lahm legte, weil etwa 2 Meter Schnee auf dem Boden lag. Mein Gastvater meinte, er habe noch nie so viel Schnee gesehen. 

Sowie verschiedene Städte in Deutschland einen anderen Dialekt haben, hat dies Kanada auch. Neufundland, also die sogenannten „Newfies“ dort haben einen sehr starken Dialekt. Das ist aber kein Problem, weil man sich nach einer gewissen Zeit dran gewöhnt hat. Ansonsten kann man auch immer nachfragen, wenn man mal etwas nicht verstanden hat, alle dort sind sehr verständnissvoll und warmherzig:).

 

 

Die Schule und mein erster Schultag

Mein erster Schultag war am 13.09.2021 in der Carbonear Collegiate High School. Sie hat 500 Schüler von den Jahrgängen 9-12. Neben der Schule befindet sich auch ein großer Sportplatz und weiter unterhalb die Carbonear Academy für alle jüngeren Schüler.

 

Morgens habe ich mich zusammen mit meiner Gastschwester fertig gemacht, gemütlich gefrühstückt und anschließend hat uns unsere Gastmutter zur Schule gefahren. Wir waren beide total aufgeregt,was sich aber schnell wieder legte, weil wirklich alle sehr nett sind und den Tag ganz entspannt gestaltet haben.

 

Wir gingen in die Mensa, in welcher der Empfang stattfinden sollte. Dort saßen wir mit 12 anderen Auslandsschülern am Tisch. Die anderen Schüler kamen aus Thailand, Spanien, Italien, Brasilien und Vietnam. Der Direktor und ein paar andere Präsente der Schule stellten sich uns vor. Es waren auch Schüler der Schule anwesend, die uns in Gruppen aufteilten und mit uns in jedes Klassenzimmer zu jedem Lehrer gingen. Alle Lehrer haben sich sehr gefreut und sich direkt uns vorgestellt. Dann ging es auch schon zum Stundenplan erstellen. Ich hatte fünf Pflichtkurse, in denen man auch nochmal variieren konnte. Außerdem konnte ich mir unter „Clothing and Textiles“, „Theatre Arts“, „Guitar“, „PE“, „Nutrition“ und noch anderen, drei weitere Kurse aussuchen.

 

Ich würde empfehlen einen Jahrgang über dem aktuellen in Kanada zu wählen oder bei Fächern wie Mathe einen Kurs mit höherem Niveau, weil dieses eher dem aus Deutschland entspricht. Das erleichtert den Unterricht beim zurückkehren in die deutsche Schule.

Der Schultag ging von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr. Eine Schulstunde war 60 Minuten lang und pro Tag gab es davon fünf.

Die gesamten Klassen sind verkurst und die Schüler gehen immer zum Lehrer ins Klassenzimmer.

An dem ersten Schultag wurden wir dann auch schon direkt in unsere Kurse aufgeteilt. Alle Schüler dort sind sehr offen und man kommt schnell mit ihnen ins Gespräch.

Auch Sportkurse helfen sehr dabei andere Schüler kennenzulernen. Ich habe beispielsweise beim Mädchenfußball mitgemacht. Dadurch hat man viel Zeit zusammen verbracht und auch die anderen besser kennengelernt. Es gab außerdem noch Volleyball, Basketball, American Football,… und Eishockey, was die populärste Sportart dort ist. Viele Schüler der Schule sind in den Teams der Eishockeymannschaften und haben regelmäßig Spiele, die wir auch besucht haben.

 

Der Alltag, Aktivitäten, Ausflüge

Mein Schulalltag lief relativ gleichmäßig ab. Meine Gastschwester und ich wurden morgens mit dem typischen gelben Schulbus zur Schule gefahren, den man aus den amerikanischen High School Filmen kennt. Nach der Schule sind wir mit diesem auch wieder zurückgefahren.

Wenn nötig haben wir Zuhause noch Schulsachen erledigt. Danach gingen wir für einen Spaziergang an den Strand. Wir hatten einen Aussichtspunkt bei uns in der Nähe. Von dort aus konnte man über die Küste auf eine Insel und andere Teile Neufundlands schauen, was sehr schön war. Abendessen gab es bei uns schon sehr früh. Zwischen 17.00 und 18.00 Uhr. Danach haben wir mit unserer Gastfamilie den restlichen Abend verbracht.

 

An den Wochenenden waren wir meistens unterwegs und haben uns andere Städte angeschaut oder sind einfach mal durch Neufundland gefahren, um mehr von der Umgebung und der Natur zusehen.

 

Wir waren bei einem Autorennen, bei dem ein Bekannter von uns mitgefahren ist. Dort habe ich einen der schönsten Sonnenuntergänge gesehen. Wir waren in einer Fischerstadt und haben uns in der Weihnachtszeit den beleuchteten Hafen und geschmückte Häuser angeschaut. Außerdem haben wir „Cape Spear“ besucht, welcher der östlichste Punkt ganz Kanadas ist. Von dort aus ist die Luftstrecke nach Paris kürzer als zum anderen Ende Kanadas. Des Weiteren war ich mit der Organisation vor Ort und anderen Auslandsschülern von verschiedenen Schulen Zyplinen.

 

Sonntags gab es immer einen Gottesdienst zu dem wir gegangen sind. Meine Gastmutter hat dort Klavier gespielt. Der Gottesdienst lief ganz anders ab als in Deutschland. Er war sehr lebhaft. Es gab eine richtige Band und die Lieder gingen teilweise Richtung Pop Musik, bei denen die gesamte Kirche laut mitgesungen hat.

 

Bei mir in der Gegend wurde gerne mal der Geburtstag vor gefeiert oder auch eine ganze Woche lang. Meine Gastfamilie hatte beschlossen auch meinen Geburtstag einen Monat früher zu feiern. Wir sind also an einen großen See mitten in der Natur zelten gefahren. Das Zelt hatte zwar eine Heizung und Betten sowie Sofas, dennoch haben wir Nachts 8  Decken gebraucht :`) . Zum Abendessen gab es dann ein sogenanntes „boil up“, was man im Wald zubereitet und dort dann auch isst. Als es dunkel wurde bin ich mit meinen Gastgeschwistern auf dem zugefrorenen See Schlittschuh gefahren. Morgens sind wir dann aufgewacht und alles war wieder verschneit :).

Mit Freunden habe ich viel Zeit abends und am Wochenende verbracht. Wir sind auf Feiern gegangen, selber irgendwo hingefahren, Essen gegangen oder waren einfach nur alle zusammen.

 

Ich erinnere mich gerne an alles zurück und kann nur empfehlen ganz viele Bilder zumachen, denn die Zeit geht sehr schnell vorbei und man erlebt soo viel, dass man sich vielleicht manchmal nicht mehr an alles erinnern kann, wenn es nicht festgehalten wurde! Ich würde das Auslandsjahr immer wieder machen und kann es auch nur jedem empfehlen. Man erlebt und lernt dadurch so viel, was einem mal in verschiedenen Situationen nützlich ist. Außerdem kann keiner einem diese Erinnerungen wieder nehmen!

 

Meine Organisation

Ich habe das Auslandsjahr über die Organisation StepIn gemacht und kann sie sehr weiterempfehlen. Damals wurde mir diese auch empfohlen. Sie ist sehr organisiert und beantwortet alle Fragen realistisch, die man sich stellt. Außerdem werden genaue Anleitungen mitgeschickt, wenn Formulare ausgefüllt werden müssen. Bei Rückfragen kann man sich auch jeder Zeit telefonisch an sie wenden. StepIn arbeitet immer mit einer Partnerorganisation in dem jeweiligen Gebiet zusammen, in das man gehen möchte.

Auch während der Anreise kann einem nichts passieren, weil einem Notfallnummern gegeben werden, die man zu jeder Zeit anrufen kann. Es wird aber auch  darauf geachtet, dass gleiche Flüge mit anderen Auslandsschülern gebucht werden. Dadurch fliegt man häufig in einer Gruppe zusammen.

 

Bei Fragen könnt ihr euch gerne an mich wenden!

Stefanie Rottmann